Spannendes Programm: 26.-27.9.2009 findet in Oxford die vom Identinet-Netzwerk veranstaltete Konferenz Identifying the Person: Past, Present, and Future statt; ich werde dort etwas über die Hausnummern vortragen.
Auch die Unterkünfte von Wildbienen bekommen zuweilen Hausnummern verpasst, wie ich aus einem vor ein paar Tagen in der NZZ erschienenen Artikel erfahren konnte. In diesem Fall geschieht dies im Rahmen der Arbeit von Nayuta Brand an einer Dissertation zur Organisationsstruktur der Furchenbiene: Jedes Bienenloch ist durch ein etwa 30 Zentimeter langes Holzstäbchen gekennzeichnet. Brand sagt, dass im kleinen Forschungsperimeter etwa 900 Bienenbehausungen erfasst worden seien – alle mit «Hausnummern» versehen.
Stephan Steiner hat auf Grundlage seines Interviews mit Carlo Ginzburg (vgl. hier) ein 15-minütiges Radiofeature gestaltet, das heute von Diagonal (5.9.2009, irgendwann zwischen 17.05 und 19.00) ausgestrahlt wird.
Die Zürcher Zentralbibliothek zeigt laut NZZ noch bis 19.Dezember die Ausstellung Theo Pinkus (1909–1991). Buchhändler – Kommunist – Querdenker; Pinkus' Nachlass befindet sich im Besitz dieser Bibliothek. Übrigens: Zu den Gründungen Pinkus' zählte u.a. ein Büchersuchdienst.
Nächste Woche auf Ö1 im Radiokolleg (31.8.-3.9.2009, jeweils 9:30-9.45): Eine Reihe zur Kulturtechnik des Speicherns.
Einst sprach man vom Speichern nur im Zusammenhang mit Vorratskammern: Es gibt den Museumsspeicher und die Speicherkammer.
Heute hingegen lagert man bits und bytes ein. Aber nicht notgedrungen um sich zu erinnern oder karge Zeiten zu überwinden, sondern um beruhigt zu vergessen. Digitale Fotos werden zwar zuhauf geschossen, aber genauso schnell und gern wieder vergessen. Und als letzte Instanz gibt es noch immer den Festplatten-Crash und veraltete Datenträger.
Seitdem Rechner mit reichlich Speicherkapazitäten ausgestattet werden, sorgen sich manche um die menschliche Ressource Aufmerksamkeit. Sie sei, im Gegensatz zum digitalen Speicher, nicht endlos erweiterbar. Mit der Frage, wie viel das menschliche Gehirn an Informationen speichern kann, beschäftigten sich Computerwissenschafter schon in den 1950er Jahren. Ihre Antworten führten gleichermaßen zu Missverständnissen wie zu erstaunlichen Ergebnissen.